Free Animal e.V.

Ein Tier zu retten verändert nicht die Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.

Erschienen in der tierbefreiung Ausgabe 102 März 2019


Free Animal e.V. Vergangenheit  Gegenwart  Zukunft


Wow, nach sieben Jahren berichtet Free Animal e.V. (kurz FA) zum ersten Mal wieder in der TIERBEFREIUNG. Wir freuen uns! Da sicherlich nicht alle Leser*innen die Hintergründe und die Geschichte von FA kennen, seien sie hier zum besseren Verständnis noch mal kurz erläutert. Der Verein wurde 1996 als Projekt des Bundesverbandes der TierbefreierInnen (heute die tierbefreier e.V. von dessen Mitgliedern und Menschen im Umfeld gegründet. Es war die Idee, besser gesagt, die Vision, einen Platz auch für „Nutztiere“ zu schaffen, damit sie ihr Leben ohne Ausbeutung durch den Menschen im Rahmen der gesellschaftlichen Möglichkeiten leben können. Ein Mitstreiter, Peter Hild, hatte bereits Pferde, Schweine und Kühe aufgenommen, um sie vor der Schlachtung zu bewahren. Sie waren in angemieteten Stallungen untergebracht, auf Dauer finanziell und zeitlich nicht zu halten.

Es wurde ein Hof gesucht, um diesen und weiteren Tieren einen Lebensraum bis an ihr natürliches Lebensende zu bieten. Erst 1997 war es dann soweit, ein Aussiedlerhof in Irmenach wurde das Zuhause dieser und vielen nachfolgenden Tiere. FA erhielt nach langen Auseinandersetzungen mit dem Finanzamt und diversen Satzungsänderungen (es durften keine Privatmenschen unterstützt werden) dann 1998 den Status der Gemeinnützigkeit. Neue nichtmenschliche Bewohner*innen ließen nicht lange auf sich warten. Die Stallungen füllten sich schnell mit Rindern, Pferden, Schweinen und Gänsen. Neben den „Nutztieren“ fanden natürlich auch „Haustiere“ Platz auf dem Hof. Besonders hat das Schicksal von Ben berührt, ein Kälbchen, das in einem Wanderzirkus als „Attraktion“ ausgestellt wurde, da ihm ein fünftes Bein am Hals wuchs. Luxemburger Tierschützer*innen wurden aufmerksam, kauften ihn frei und er kam nach Irmenach, wo das fünfte Bein entfernt wurde und er leben konnte, ohne begafft zu werden.

Um dem Satzungszweck gerecht zu werden, kamen im Laufe der Zeit verschiedene Höfe und Projekte dazu, die unserem Selbstverständnis entsprachen und die gleichen Ziele hatten; u.a. die Tierschutzgemeinschaft Stellichte, das Refugium für Tiere in Not, der Antitierbenutzungshof, Pferdeglück e.V., der Tierlebenshof Rhön, Endstation Hoffnung, die private Katzenhilfe Lanzarote und „befreite Hühner“. Von einigen haben wir uns getrennt, andere sind wegen Krankheit und Todesfall aufgegeben worden. Gleichzeitig wurde der bislang benutzte Begriff Gnadenhof verworfen, da wir der festen Überzeugung sind, dass kein Tier auf die Gnade des Menschen angewiesen sein sollte. Wir fanden den Begriff Lebenshof treffender und sind froh, dass auch viele andere Höfe diesen übernommen haben.

Neben der Unterstützung der Höfe und Projekte haben wir, wo wir konnten und die Finanzen es erlaubten, in Notfällen geholfen. Nach der Tsunami-Katastrophe in Asien 2004 haben wir Kontakt zu Organisationen in Indien, Thailand und Sri Lanka aufgenommen und mit Geldspenden geholfen, um die Not der nichtmenschlichen Opfer, die hungernd und verletzt herumliefen, zu lindern. Als die Hetzjagd in Hamburg und anderswo in 2011 auf die „Kampfhunde“ losging, haben wir geholfen, Hunde aus der Tötungsstation oder dem Tierheim zu holen, sie versteckt oder auf Höfen untergebracht, um sie nach einiger Zeit wieder an ihre Menschen zurückzugeben. Wir haben außerdem die Kastrationskosten für mittellose Menschen übernommen, damit sie ihre Hunde behalten konnten.

Die ziemlich größte Herausforderung für uns war in 2011 die Übernahme von 36 Tieren aus dem bereits geschlossenen Tierpark in Lübeck. Nur die Freiheit ist artgerecht, aber dieser Tierpark war mit Abstand der schlechteste und die Unterbringung der Tiere katastrophal. Wir haben über Jahre an den Demos vor Ort teilgenommen und versprochen, wenn der Tag endlich kommt, dass, wir bei der Übernahme und Vermittlung der Tiere helfen. Viele der Tiere haben aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes nicht lange überlebt, einige mussten wegen offener Tumore gleich eingeschläfert werden und einige sind noch heute auf Lebenshöfen untergebracht. Mehr dazu unter: http://freeanimal.de/Verein/Der-Tierpark-Luebeck

Die Zusammenarbeit mit die tierbefreier e.V. endete in 2011 und FA stellte sich sozusagen auf eigene Pfoten und Füße. Mit der Trennung endete auch gleichzeitig die Berichterstattung in der TIERBEFREIUNG, für die wir bis dahin als Herausgeber fungierten.

Zum Glück ist ist die Trennung mittlerweile Vergangenheit und seit 2015 entwickelte sich nach dem Vorstandswechsel bei die tierbefreier e.V. wieder eine konstruktive und gute Zusammenarbeit in Verbindung mit einer monatlichen Unterstützung für vegane Ernährung der Hunde und Katzen auf den Höfen.

Was sonst noch los ist und war:

Seit 2012 erscheint die La Vita, der FA-Rundbrief, in dem die von uns unterstützten Höfe und Projekte halbjährlich berichten und wechselnde Leitartikel erscheinen, wie in den letzten drei Ausgaben, ein wenig Aufarbeitung der Geschichte der Tierrechtsbewegung. Alle Ausgaben der La Vita sind unter issuu.com online zu finden, wir verzichten, bis auf eine sehr kleine Menge, der Umwelt zuliebe, auf Druckausgaben.

2014 und 2015 haben wir das Vegane Straßenfest in Hamburg mit anderen Gruppen ins Leben gerufen. Die Vorstellung war, weg vom Konsum, mehr Infos zu bieten und die soziale Bewegung in Hamburg zusammenzubringen. Es sollte eine bunte Mischung aus Menschenrechts-, Tierrechts- und Umweltinitiativen werden. Es hat nicht ganz geklappt, trotzdem war es ein Erfolg. Durch das Ausscheiden eines Großteils des „alten“ Orga-Teams haben wir uns 2016 zurückgezogen.

Heute unterstützen wir fünf Lebenshöfe und verschiedene Projekte mit monatlichen Spenden und Patenschaften für vereinzelte Tiere:

Tierlebenshof Hunsrück-Mosel e.V.

Tierschutzgemeinschaft Stellichte e.V.

Lebenshof Große Freiheit e.V.

Pferdeschutzhof im Wendland

Refugium für Tiere in Not e.V. Castrop Rauxel

Initiative Lebenskühe e.V.

Happy Kuh e.V.

Private Katzenhilfe Lanzarote

Tierhilfe Wendland mit einer Futterstelle für freilebende Katzen

Kafkas und die Wildscheindamen Elsa und Klara

Auch in dringend Notfällen haben wir geholfen. Wir haben für die nichtmenschlichen Brandopfer der Waldbrände in Griechenland für Tierarztkosten und für Winterfutter für die Straßenhunde in Rumänien gespendet und da wir für Animal Liberation/Human Liberation stehen haben wir auch die Menschen im Hambacher Forst mit einer Spende unterstützt.

Wir sind das Jahr über auf verschiedenen Straßenfesten und Weihnachtsmärkten mehr oder minder unterwegs, um Spenden für die Lebenshöfe und Projekte zu sammeln. Besonders in 2018 war das wegen der Dürre notwendig. Bedingt durch größtenteils nur einen Heuschnitt herrscht vermutlich bis in das Jahr 2019 eine Heuknappheit, die es noch nie gegeben hat, solange es FA gibt. Die Preise sind explodiert, haben sich fast verdreifacht und viele konnten diese zusätzlichen Kosten nicht aufbringen. Die größeren Höfe haben zwar früh genug Heu reserviert und es auch bekommen, aber eben zu horrenden Preisen. Das konnten wir auffangen und im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Betrieben, die ihre Tier massenweise in die Schlachthöfe gekarrt haben, ist den Tieren auf den von uns unterstützten Höfen ihr Zuhause sicher.

Wir wollen auch nicht die Menschen hinter FA, den Höfen und Projekten vergessen, jede*r hat eine eigene spannende Geschichte. Wir werden oft gefragt: Wie seid ihr dazu gekommen, euch für die Tiere einzusetzen und wie haltet ihr 40 Jahre aktiv sein in der Bewegung aus?

Ich (Angelika) bekam 1978 auf der Messe „Du und Deine Welt“ in Hamburg einen gelben Flyer in die Hand gedrückt, auf dem stand: Schluss mit Tierversuchen! Ich habe ihn Zuhause durchgelesen und habe nicht geglaubt, dass Menschen zu solchen Grausamkeiten fähig sind. Da ich der Sache auf den Grund gehen wollte, bin ich zur Versammlung der Bürger gegen Tierversuche gegangen und habe festgestellt, ja!, Menschen sind dazu fähig. Seitdem hat mich der Umgang der Menschen mit den Tieren und „unserem“ Planeten und deren Ausbeutung nicht mehr losgelassen und ich kann und will auch nicht aufhören mich zu engagieren. Es ist manches Mal schwer, es auszuhalten, nicht alles hinzuschmeißen. Kraft finde ich dann in der Arbeit der Lebenshöfe und Projekte, dem Wissen, dass dort unzähligen Tieren ein Leben ohne Grausamkeiten und Ausbeutung ermöglicht wird und wurde; dass dort im Rahmen der gesellschaftlichen Möglichkeiten unser aller Utopie gelebt wird. Gabi, Kassenwartin bei FA seit 2004, ging es nicht viel anders. Sie war in den 60zigern einer Einladung in einen Zirkus gefolgt. Als ein Elefant mit einem Stock geschlagen wurde, um auf einem Podest Kopfstand mit dem Rüssel zu machen, verließ sie die Veranstaltung und kam nur zurück, um dagegen zu demonstrieren. Später in Hamburg begegnete sie berufsbedingt einem Schüler, der einen gelben Button auf dem „Ich bin gegen Tierversuche“ stand und kam so auch zu den Bürgern gegen Tierversuche. So trafen wir uns und es verbindet uns seit dem ein lange Freundschaft, die durch viele gemeinsame Aktionen und Erlebnisse in der Tierrechtsbewegung gestärkt wurde.

Für die Zukunft wünschen wir uns eine starke gemeinsame Bewegung. Eine Bewegung, die vereint und nicht ausgrenzt, wie leider in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Veganen Straßenfesten geschehen. Wir wünschen uns mehr Veranstaltungen wie „Hand in Hand für Tierrechte“ 2018 in Hamburg, wir wünschen uns Veranstaltungen, auf denen nicht das „Wer“ oder das Vereinslogo im Vordergrund steht, sondern die Forderung, für die wir alle kämpfen und auf die Straße gehen.

Wir würden uns sehr über Rückmeldungen und/oder Leser*innenbriefe freuen, danke!

Angelika Jones-Singh